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Pressemitteilung der Action Solidarité Tiers Monde
Agrotreibstoffboom schafft neue menschenrechtliche und ökologische Probleme

Pressemitteilung zur Stellungnahme des Conseil Supérieur de Développement Durable (CSDD) vom 25.02.2008.

Biomassenutzung im großen Stil ist kein Weg zu gerechter Ressourcenverteilung

Die Action Solidarité Tiers Monde (ASTM) unterstützt nachdrücklich die heute (25.02.08) veröffentlichte Position „Nachhaltige Politik zur Nutzung von Biomasse“ des Conseil Supérieur pour un Développement Durable. Die ASTM begrüßt insbesondere folgende Feststellung des CSDD : „In einer global gerechten Welt hat jeder Bürger die gleichen Rechte und Pflichten. Dies beinhaltet den Anspruch und Zugriff auf qualitativ und quantitativ gleichwertige (natürliche) Ressourcen“ (Seite 8).

Diese Forderung des CSDD ist umso wichtiger, da die derzeitige Realität in den Biomasse-Produktionsländern der so genannten Dritten Welt ein völlig anderes Bild bietet : Eine der Partnerorganisationen der ASTM, das Movimento sem Terra (MST) in Brasilien, ist direkt von den negativen menschenrechtlichen und ökologischen Konsequenzen des Agrotreibstoffbooms betroffen : Vertreibung der ansässigen Bauern, Degradation der Böden, beschleunigter Abbau der biologischen Vielfalt und seltener Ressourcen, Verschlechterung der Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln, Vergiftungen von Plantagenarbeitern durch verstärkten Pestizideinsatz. Angesichts der in Europa und besonders auch in Luxemburg begrenzten Anbaufläche, wird eine steigende Nachfrage nach Biomasse in Europa, wie sie der aktuell von der EU-Kommission vorgeschlagene Biomasse-Treibstoffanteil des Verkehrssektors von 10% bis zum Jahr 2020 vorsieht, unweigerlich auf den Import von Biomasse hinauslaufen, was diese untragbaren Zustände im Zuge der Ausweitung der Anbauflächen von Biomasse zur Kraftstoffproduktion für immer mehr Menschen in den Anbauländern zum Alltag werden lässt.

Auch im Hinblick auf die Hintergründe der vom luxemburgischen Umweltministerium in Auftrag gegebenen Stellungnahme des CSDD, die „Bekämpfung des Klimawandels“ und die „Reduzierung der Abhängigkeit auf dem Gebiet der Energieversorgung“, wäre eine Investition in eine verstärkte Biomassenutzung zur Produktion von Kraftstoffen kontraproduktiv. Eines der Hauptziele der Agrokraftstoffe als alternative Energiequelle, die Einsparung von CO2 zur Minderung des Treibhauseffektes, wird durch den bei der Abholzung und Brandrodung aus Bäumen, Torfen und oberen Bodenschichten freigesetzten Kohlenstoff zum Bumerang. Nach Modellrechnungen übersteigen die durch die Produktion von Agrokraftstoffen freigesetzten CO2-Mengen langfristig den eingesparten Mineralöl-Kohlenstoffanteil im Verkehr um das Vierfache*. Von Plantagen als CO2-Senken kann demnach keine Rede sein.

Die ASTM fordert aus diesem Grund die luxemburgische Regierung dazu auf, die Hintergründe und Konsequenzen der Agrokraftstoffproduktion, wie sie in der Stellungnahme des CSDD dargelegt sind, im Sinne einer nachhaltigen und sozial gerechten Planung bei der Ausgestaltung ihres Aktionsplans mit einzubeziehen und die genannten Empfehlungen umzusetzen. Zudem sollte die Regierung sich für eine kompromisslose Aufklärung irreführender Versprechungen wie einer CO2-Reduktion durch den großflächigen Einsatz von Agrokraftstoffen und falscher Informationspolitik zulasten indigener Völker seitens der Agrokraftstoffbefürworter einsetzen. Schlussendlich geht kein Weg an umfangreichen inländischen und globalen Energiesparmaßnahmen vorbei. (Action Solidarité Tiers Monde)

-  Die Stellungnahme des CSDD kann hier heruntegeladen werden : _ Nachhaltige Politik zur Nutzung von Biomasse

  • siehe Abbildung1 : EPEA : Internationale Umweltforschung GmbH, Hamburg 2007, Szenarien B und H)